News vom 31. Mai 2012

31/05/2012

Grüne Bewegung verurteilt Massaker in Syrien, fordert Unterstützung für Demonstranten

Syrien: Adopt a Revolution – Werde Widerstandspate!

Beschämendes Schweigen – Wie Berlin die Todesdrohungen aus Teheran ignoriert

Flame-Virus: “Cyber-Superwaffe” beschäftigt die Uno – Iran befallen

Ex-Präsident Rafsandjani lobt Internet und Facebook (na so was)

Zunehmende Abwanderung von Jung-Akademikern aus Iran

Iranische Polizei verbietet den Verkauf von Krawatten

Fotobericht: Binnenhafen am austrocknenden Urmia-See

Khamenei und Ahmadinedjads Zeitehe (Nikahang Kowsar)

Politik und Wirtschaft

Neue Satellitenbilder: Iran verwischt offenbar Spuren von Atomanlagen

Teherans Sicht auf die Atomgespräche: Einsicht, Propaganda oder Selbsttäuschung?

Irans „physische“ Beteiligung in Syrien

Militärische Intervention? USA wollen in Syrien notfalls die UN umgehen

Nach Massaker in Syrien: Rebellen setzen Assad 48-Stunden-Frist

Aserbaidschan ruft Botschafter aus Iran zurück

Rafsandjani: USA haben die Oberhand bei Atomgesprächen

Keyhan: Inflation wegen westlicher Verschwörung nach dem Modell von Gene Sharp (FA)

Iran annulliert Staudammprojekt mit China im Wert von 2 Milliarden US-Dollar

Menschenrechte 

Zahra Khodabakhsh, Tochter des Shargh-Finanziers, verhaftet

Berufungsgericht bestätigt 5jährige Haftstrafe für Bahais Noura Nabilzadeh und Sonya Ahmadi

Teheran eröffnet Zentrum für Zeitehen: Staatliche Förderung der Prostitution

Moralpolizei kontrolliert Spaziergänger und Bergsteiger


News vom 26. Mai 2012

26/05/2012

Soziologe Asef Bayat über Grüne Bewegung und Arabischen Frühling

Shahin Najafi wünscht sich mehr Unterstützung für iranische Künstler 

Mohsen Kadivar und weitere islamische Reformer verurteilen Todes-Fatwas gegen Shahin Najafi (FA)

Iranische Homosexuelle: „Wir sind überall“

Twittersturm für inhaftierten Blogger Hossein Ronaghi Maleki: 28. Mai 2012, 21 Uhr

Gefälschte Version der iranischen Anti-Zensur-Software ‚Simurgh‘ im Umlauf

Regime ruft zum Google-Boykott auf (ha ha, in Iran eh blockiert)

Fotobericht: Erdbeerfest in Some’e Sara bei Rascht

Politik und Wirtschaft

Atomgespräche: Iran, die Bombe und das Prinzip Hoffnung

Islamische Republik baut Atom-Kapazitäten aus

IAEA besorgt: Beseitigt Iran verdächtige Spuren in Parchin?

Streit um Atomprogramm: “Wir brauchen Iran in der internationalen Gemeinschaft”

Bericht über neues Massaker: Syrische Opposition wirft UNO Untätigkeit vor

Präsidentschaftswahl: Die Revolutionäre sind Ägyptens Wahlverlierer

Afghanistan: Parlament billigt Partnerschaftsabkommen mit Vereinigten Staaten

Bankenskandal: Ahmadinedjads ehemaliger Arbeits- und Industrie-Minister unter den Angeklagten (FA)

Revolutionsgarde macht Chinesen bei Milliardenprojekt Konkurrenz

Autokonzern Fiat beendet Geschäfte mit Islamischer Republik   

Rohstoffe: Ölpreise leicht im Plus

Mahnwache in München, Mai 2012

Menschenrechte

Fünf iranische Kurden zu 46 Jahre Haft verurteilt, einer zu Tode gefoltert

Studentenaktivist Arash Sadeghi beginnt Hungerstreik in Solidarität mit Hossein Ronaghi (FA)

Arbeiterinnen in Iran: Weniger Lohn für höhere Belastung


News vom 15. Mai 2012

15/05/2012

Bankenskandal: 19jähriger Realschüler besaß Aktien im Wert von 19 Milliarden Tuman 

Neue Studie: Iranische Gesellschaft hat demokratische Grundtendenzen

Zweites Todesdekret gegen iranischen Rapper Shahin Najafi

Neue oppositionelle Untergrundzeitung „Rah-e digar“ (FA)

Neda Soltani: Die Frau, die ihren eigenen Tod im Fernsehen sah

Blumen und Schläge für Besucherinnen der Teheraner Buchmesse

Konzert-Tipp, 15. Mai 2012: Weltmusik mit Roger Willemsen in der Berliner Philharmonie

© Collage: Stimme Russlands

Politik und Wirtschaft

Atomstreit: IAEA fordert Kontrolle des iranischen Atomprogramms

Iran will zeitgleich zu UN-Atomgesprächen Satelliten ins All bringen

Atomstreit mit Teheran: Abschrecken hilft doch

Syrien und Libanon: Westerwelle warnt vor Flächenbrand

Anonymer Informant liefert Zeichnung: „Explosionskammer“ in Iran vermutet

Riyad: Golf-Kooperationsrat warnt Islamische Republik vor Einmischung

Iranisches Parlament verurteilt Union Saudi Arabiens mit Bahrain

Nach Iran-Reise: Bedenkzeit für Claus Hübscher (FDP)

Hardliner Tavakkoli: Abgeordnete für Billigung von Ahmadinedjads Ministern bezahlt (FA)

Islamische Republik: Die Schlangen sind aus dem Korb

Iranische Moscheen erhalten Genehmigung für Einrichtung von Kitas

Ölpreis zeitweise unter 110 US Dollar

Menschenrechte

Angeblicher Mörder von Atomwissenschaftler Ali-Mohammadi gehenkt

Islamische Republik soll Leichen der Hingerichteten an Familien ausliefern

Geflohen, gerettet – und dann? Wie Bayern mit Asylbewerbern umgeht


Der Rapper Shahin Najafi und die “Todes-Fatwa”

11/05/2012

Seit gestern kursiert die Nachricht vom religiös begründeten Todesurteil gegen den 31jährigen Rapper Shahin Najafi, der seit 2005 im Kölner Exil lebt, auch in deutschen Medien. Anlass ist Najafis neuester Song „Naghi“, mit dem er insbesondere den religiösen Aberglauben geißelt, den das islamische Regime seit der Machtübernahme Ahmadinedjads verbreitet. In dem Text, der sich an den 10. Imam der Schiiten richtet, geht es nicht nur um Islamkritik oder die in Iran überaus beliebten Nasenoperationen, wie schon ARD-Korrespondent Reinhard Baumgarten aus Teheran berichtet hat. Najafi nimmt außerdem die jüngsten politischen Skandale und gesellschaftlichen Ereignisse des Landes aufs Korn.

Video mit englischer Übersetzung 

„O Naghi, komm doch und erlöse uns in unserem Leichentuch (Märtyrergewand), weil der Mahdi schläft.“ Mit diesem Refrain mokiert sich der Kölner Rapper über die Propaganda für den Mahdi, den verschwundenen 12. Imam, mit dessen Wiederkehr das Regime der Bevölkerung das Heil auf Erden verspricht. Die Liste der Übel ist lang, wird aber oft nur mit ein, zwei Worten angedeutet, die sich vor allem iranischen Zuhörern erschließen. Sie reicht von der Vergewaltigung männlicher Demonstranten im Gefängnis, die nach Protesten gegen die gefälschte Präsidentschaftswahl von 2009 verhaftet wurden, bis zum milliardenschweren Bankenskandal vom vergangenen Herbst, in den amtierende Minister und prominente Abgeordnete verwickelt sein sollen. Zu den erwähnten Absurditäten zählen die Pappfigur des verstorbenen Revolutionsführers Khomeini, die bei den Jubelfeiern zum 33. Jahrestag der Islamischen Republik präsentiert wurde, oder die Mär, dass der amtierende Führer Khamenei schon bei seiner Geburt sprechen konnte.

Khomeinis Wiederkehr (Foto: Ruhollah Yazdani / AFP / Getty Images)

Zur Sprache kommen aber auch soziale Missstände oder allgemeine Unsitten, wie der grassierende iranische Nationalismus und das Lob auf die arische Rasse, das sich keineswegs gegen Juden, sondern gegen die Araber aus den Emiraten richtet, die Besitzansprüche auf die iranische Insel Abu Musa im Persischen Golf erheben.

Ebenso wenig bleibt die Opposition im In- und Ausland verschont. „Wie hießen nochmal die Führer der Grünen Bewegung“, fragt Najafi in Anspielung auf Mirhossein Moussavi, Zahra Rahnavard und Mehdi Karroubi, die seit 15 Monaten ohne Kontakt zur Außenwelt unter Hausarrest stehen, und beklagt sich anschließend über die mumifizierten Dissidenten im Exil.

Der Rapper hat inzwischen alle Vorwürfe, mit seinem Song die schiitischen Imame beleidigen zu wollen, unter Hinweis auf künstlerische Freiheiten zurückgewiesen. Im Interview mit Radio Farda (Prag) erklärt er, die kürzlich erfolgte Propagierung des Imams Naghi habe ihn zu diesem humorvollen Song veranlasst. Außerdem bemängelt er den Dogmatismus im Islam, der jegliche Auseinandersetzung mit den Heiligen auf Lobpreisung reduziert und die Entfaltung der Künste in Iran seit je her behindert hat. Das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld wegen “Gotteslästerung” sei brutal und politisch bedingt, zumal die Fatwa von Ayatollah Safi Golpayegani sich nicht explizit gegen ihn richte.

Tatsächlich wurde die angebliche „Todes-Fatwa“ vor 18 Tagen veröffentlicht, während der Song erst seit vorgestern im Netz kursiert. Offensichtlich haben die Revolutionsgarden das allgemein gehaltene Dekret des Geistlichen aus Qom nachträglich zur Verleumdung des beliebten Sängers umfunktioniert, wie die regimekritische Website Digarban und BBC Persian übereinstimmend berichten.

Shahin Najafis offizielle Homepage wurde zwar gehackt, von seinen Fans aber unter dieser neuen Adresse wieder ins Netz gestellt. Der Aufruf zu seiner Ermordung durch Fars News und andere iranische Staatsmedien ist nicht folgenlos geblieben – mittlerweile hat die Kölner Polizei Schutzmaßnahmen für Najafi verfügt.


News vom 21. April 2012

21/04/2012

Boukan: Kurden protestieren gegen Entführung von Kindern

“Israel loves Iran”: Liebesbotschaften aus dem Feindesland

PEN fordert Freilassung des inhaftierten Übersetzers Mohammad Soleimani Nia

Islamkonferenz – Wer kann schon Deutsch?

Projekt “Nationales Internet”: Reinheit durch Zensur

Immer mehr Studierende an freien technischen Universitäten

Heute: Lesung von Parastou Forouhar in Frankfurt „Das Land, in dem meine Eltern umgebracht wurden”

TV-Tipp: Isfahan – Spiegel des Paradieses (ORF 2, 22. April 2012, 10:15)

Politik und Wirtschaft

Waffenschmuggel: UNO verhängt weitere Sanktionen gegen Revolutionsgarden

Israel: Assad stürzen statt Iran anzugreifen

Mehr Militärbeobachter für Syrien: UN einigen sich auf Resolution

Islamische Republik fordert Aufhebung westlicher Sanktionen

Iran fühlt sich als Sieger der Atomverhandlungen

Deutscher Frachter “Atlantic Cruiser” transportierte keine Waffen

Insel-Streit zwischen Iran und Golfstaaten eskaliert

Insel Abu Musa: Frankreich und Italien bedauern Provokation Irans

Schweizer Botschafter in Teheran wegen Insel-Streit vorgeladen

Iranische Abgeordnete fordern erneut Amtsenthebung des Arbeitsministers (FA)

Islamische Republik plant Import von 1,7 Millionen Tonnen Weizen in 2012/13

Essentielle Lebensmittel sollen in Iran gehortet werden (FA)

Mahnwache in Oslo, April 2012

Menschenrechte 

Weniger bekannte Grüne Gefangene: Amir Ehsan Tehrani

Oppositioneller Kleriker Massoud Adib in Qom verhaftet

Kalte Zuflucht: Iranischer Demonstrant seit 2 Jahren in der Türkei 

In Iran festgenommene Russen hatten keine Aufenthaltserlaubnis – iranischer Botschafter


News vom 12. April 2012

12/04/2012

Philosoph Slavoj Žižek: Meine Hoffnung gilt Moussavi und der Grünen Bewegung 

Kurzmeldungen aus der iranischen Zivilgesellschaft: Drohungen gegen Verlage, noch mehr Zensur

Iran dementiert Abschaltung des freien Internets im August

Protestteilnehmer von 2009 dürfen nicht mehr an iranischen Universitäten studieren

Zweckentfremdung des Gedichts von Grass in Iran

Gemälde von Saloomeh Golnareaghi: Ein Fest der Formen und Farben

Urige Werbefotos: Gentlemen’s Quarterly in Iran (1969)

Politik und Wirtschaft

Ölembargo umgekehrt: Iran verkündet Lieferstopp nach Deutschland

Atomgespräche: “Neue Initiativen” der Islamischen Republik?

USA entsenden Flugzeugträger USS Enterprise in den Persischen Golf

Türkei und Iran: Ein abgekühltes Verhältnis

Waffenruhe in Syrien: Die Waffen schweigen, die Opposition zweifelt

VAE empört über Ahmadinedjad-Besuch auf Abu Musa

Israel sieht Atomgespräche als Zeitverschwendung

Britischer Experte: Kompromiss in iranischer Atomfrage möglich

Das iranische Atomprogramm ist nicht nur ein Problem für Israel

Angriff auf Iran: Ein militärisches Szenario ist aussichtslos

Ahmadinedschad: Iran wird “kein Jota” nachgeben

Parlamentspräsident Larijani benutzt Syrien zum Machtkampf

Rabatte für Asien: Iran kontert Öl-Sanktionen mit Discount-Preisen

Rohöl nahe Wochenhoch – Gespräche über Iran rücken näher

Menschenrechte 

Afghanische Migranten sind Bürger zweiter Klasse in Iran

Eltern vermisst: Kleinkind Amir irrt alleine durch Bahnhof von Hanau (Aufruf an Ortsansässige zur Mithilfe) 

Prozess gegen zwei Trauernde Mütter und Vater von Protestopfer Ramin Ramezani (FA)

Freigelassener Popsänger Arya Aramnejad zu einem Jahr Haft verurteilt (FA)

72jähriger Aktivist Kourosh Zaim zu 3 Jahren Haft auf Bewährung verurteilt

Hinweis: Karikatur von Towfigh 


Erklärung von Ex-Präsident Khatami zu seiner Teilnahme an der Parlamentswahl 2012

05/03/2012

Ich hoffe, dass wir eine gemeinschaftliche Einschätzung der Situation erreichen, in der wir uns gerade befinden. 

Ich zweifle nicht daran, dass zu gegebener Zeit die Gefühle und Urteile an einen Punkt gelangen, an dem statt aller Ausflüchte, ob aus Übertreibung oder Untertreibung, der Entscheidung für das nationale Wohlergehen und der Fortsetzung der Reformen in der Islamischen Republik Vorrang gegeben und, so Gott will, eine Lösung der Probleme möglich wird.

Nach den Zweifeln und Fragen in den Medien, unter anderem auf dem Nachrichtenportal Kaleme, nach den Kritiken und Protesten von sozialen und politischen Aktivisten und Reformanhängern, insbesondere der Jugendlichen im In- und Ausland, an der Teilnahme des ehemaligen iranischen Präsidenten Irans an der neunten Runde der Parlamentswahlen, hat Seyyed Mohammad Khatami aus Respekt vor den Gefühlen des Volkes einen kurzen Text an die Medien übermittelt:

Im Namen Gottes

In den Medien, einschließlich des Nachrichtenportals Kaleme, sowie seitens politischer und sozialer Aktivisten und Reformanhänger, insbesondere der Jugendlichen im In- und Ausland, wurde meine Teilnahme an der Parlamentswahl mit Zweifeln, Fragen, Kritik und Protesten konfrontiert, die mir teilweise von Journalisten übermittelt wurden. Der Respekt für das Volk und seine Gefühle erfordert es, dazu auf dieselbe freundschaftliche und persönliche Art Stellung zu nehmen.

Seyyed Mohammad Khatami

„Angesichts der Schwierigkeiten und der Kompliziertheit der Materie erwarte ich nicht, dass meine Erklärungen alle zufriedenstellen werden, besonders da die allseitigen Beschränkungen bei der Nachrichtenvermittlung uns in eine Lage versetzt haben, in der sowohl unerfüllbare und unvorteilhafte Forderungen und Erwartungen thematisiert worden sind als auch eine vollständige Klärung nicht leicht fällt. 

Die Thematisierung dieser Zweifel und Fragen in der Öffentlichkeit, insbesondere vonseiten jener, die in den vergangenen Jahren vielfältige Schwierigkeiten und Beschränkungen erduldet haben und einen hohen Preis bezahlen mussten, leuchtet ein. Ich kann diese Fragen, Analysen und reinen, verletzten Gefühle nicht ignorieren, weswegen ich hier meinen Respekt für meine Kritiker und sogar meine Gegner wiederhole. Unter Hinweis darauf, dass eine ausführlichere Erörterung auf einen passenderen Zeitpunkt verschoben werden muss, führe ich hier nur einige Punkte an:

Ihr Lieben

Mein Handeln beruht auf meiner politische Einstellung, meinen Überzeugungen und Grundsätzen. Ich habe aus der Perspektive des Reformismus und mit der Absicht der Beibehaltung von politischen Reformen gehandelt, weil ich diese für den wichtigsten, wenn nicht gar einzigen Weg zur nationalen Bedeutsamkeit, zur Erreichung der originären Prinzipien der Revolution, zur Sicherung der Rechte des Volkes und zur Wahrung des nationalen Wohlergehens halte. Außerdem habe ich so gehandelt, um äußere und innere Gefährdungen und Bedrohungen abzuwehren. Das mögliche und wünschenswerte Ziel ist die Wiederherstellung von Verhältnissen, die auf dem Wohlergehen des Landes und den essentiellen historischen Forderungen des Volkes basieren.

Ich hatte und habe auf der Grundlage reformorientierter Strategien zur nationalen Versöhnung, zur Rückkehr zu den originären Prinzipien der Revolution und der Verfassung dazu aufgerufen, eine verständnisvolle Atmosphäre der Beteiligung aller herzustellen und erwarte weiterhin von allen, dass sie nicht im Gestern verharren, sondern mit Blick auf die Zukunft neue Wege beschreiten mögen. Das Beharren der Reformer auf legalen und gewaltfreien Methoden bedeutet nicht, dass eine Reform der Angelegenheiten des Landes ohne Inkaufnahme von Nachteilen möglich wäre. Bei allem politischen Handeln sollten jedoch auch die Verhältnisse berücksichtigt werden, mit denen die Aktiven im Land konfrontiert sind. Die aktive Teilnahme an Wahlen und Präsentation von Kandidaten wird selbstverständlich durch günstige Voraussetzungen bedingt. Das übergreifende Ziel des nationalen Wohlergehens und der Reformen erfordert die Hintanstellung persönlicher Neigungen und hat seine eigenen Notwendigkeiten. Die Strategie, keine eigenen Kandidaten und Wahllisten zu präsentieren, bedeutete zu keiner Zeit einen Boykott der Wahlen. Wir mussten dies in der Praxis beweisen, um allen Widersachern den entsprechenden Vorwand zu nehmen und damit die Möglichkeiten zu einem Dialog auf Grundlage der Rechte und Vorteile des Volkes und dem tatsächlichen Fortschritt des Landes ein wenig zu öffnen. 

Ich hoffe, dass wir eine gemeinschaftliche Einschätzung der Situation erreichen, in der wir uns gerade befinden. Ich zweifle nicht daran, dass zu gegebener Zeit die Gefühle und Urteile an einen Punkt gelangen, an dem statt aller Ausflüchte, ob aus Übertreibung oder Untertreibung, der Entscheidung für das nationale Wohlergehen und der Fortsetzung der Reformen in der Islamischen Republik Vorrang gegeben und, so Gott will, eine Lösung der Probleme möglich wird.“

Link zum persischen Originaltext auf der offiziellen Webseite von Seyyed Mohammad Khatami. 

Anm. Diese Übersetzung ist nicht offiziell autorisiert, für den Wortlaut wird daher keine Haftung übernommen. Zitate sind aber mit Quellenangabe und einem entsprechenden Hinweis möglich. Ich danke meiner Freundin, die ungenannt bleiben möchte, für den deutschen Text.