Gestern verstarb Haleh Sahabi, die Tochter von Ezatollah Sahabi, Vorsitzender der Nationalreligiösen Bewegung und renommierter Politiker Irans, bei der Beisetzung ihres Vaters in Teheran. Die 56jährige war Islamwissenschaftlerin und selbst eine politische Aktivistin, Frauenrechtlerin und Mitbegründerin der Organisation „Mütter für Frieden“. Hier das letzte Interview mit Haleh Sahabi am Vorabend des Begräbnisses:

Den hervorragenden Berichten von Transparency for Iran und von einem Augenzeugen über die Attacken von „Sicherheitskräften“ auf die Trauernde füge ich hier die Aussage ihres behandelnden Arztes sowie letzte Reaktionen aus dem In- und Ausland hinzu.

Während die Propagandaorgane der Islamischen Republik in der ihnen üblichen schändlichen Art den Tod der Aktivistin als plötzlichen Herzinfarkt darstellen, kommt der behandelnde Arzt, der zufällig bei ihrer hastigen Einweisung ins Krankenhaus zugegen war, zu ganz anderen Ergebnissen.

Ihm zufolge wies die Patientin keinerlei Anzeichen eines Infarkts, sondern Hämatome unterhalb der linken Rippenbögen auf, die vermutlich zur Ausblutung der Milz geführt haben. Diese Feststellung deckt sich mit den Beobachtungen der Augenzeugen, die von wiederholten Schlägen der Sicherheitskräfte gegen Frau Sahabis Brust und Hüfte berichten, um ihr ein Foto ihres Vaters zu entreißen und sie an der Begleitung des Leichnams zum Friedhof zu hindern. Inzwischen hat Hamed Montazeri, der zeitweilig verhaftete Enkel des verstorbenen Ayatollahs Montazeri, eine beeidigte Zeugenaussage veröffentlicht. Dazu auch die gestrigen Äußerungen seines Vaters Ahmad Montazeri (ab Minute 4:20)

Haleh Sahabi war ebenso wie ihr Vater aufgrund von Scheinanklagen inhaftiert worden und hatte lediglich zur Beerdigung Hafturlaub erhalten. Erst kürzlich berichtete die Frauenrechtlerin Khadije Moghaddam bei der Amnesty-Pressekonferenz in Frankfurt, sie sei trotz starkem Diabetes zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Bei den Übergriffen während der Beisetzung von Ezatollah Sahabi kam es zu mehreren Verhaftungen, darunter Anhänger der Nationalreligiösen Bewegung und ein Enkel des oppositionellen Ayatollahs Montazeri. Damit war diese unmenschliche Behandlung von Oppositionellen durch das Regime jedoch keineswegs beendet. Nach Haleh Sahabis Tod „beschlagnahmten“ die Sicherheitskräfte ihren Leichnam im Krankenhaus mit dem offensichtlichen Ziel, ihre Angehörigen zu einer unauffälligen nächtlichen Beerdigung zu zwingen. Diesen auch in Iran unüblichen Vorgang dokumentieren ein Video von BBC Persian und Fotos der Trauergemeinde.

Nächtliche Beerdigung von Haleh Sahabi

Reaktionen

Haleh Sahabis gewaltsames Ende, das unseren Partnerblog Enduring America an den Tod des Protestopfers Neda Agha Soltan erinnert, hat spontane Reaktionen im In- und Ausland ausgelöst. In getrennten Stellungnahmen forderten das US-Außenministerium, die Partei der GRÜNEN sowie die FDP-Bundestagsfraktion die lückenlose Aufklärung der Todesumstände. Die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi sprach gegenüber der Deutschen Welle sogar von einem politisch motivierten Mord. Autor und ehemaliges Folteropfer Houshang Assadi widmete seinen Buchpreis der Aktivistin.

Während es bereits zu ersten Protestkundgebungen im Ausland gekommen ist, haben Studenten der Universität Teheran die iranische Bevölkerung für kommenden Dienstag (7. Todestag) zu Protesten vor dem UN-Gebäude in Teheran aufgerufen.

Protestkundgebung in Malmö (Schweden)