Die Freie Syrische Armee hat gestern ein Video von fünf Iranern veröffentlicht, die behaupten, Mitglieder der Revolutionsgarden zu sein und den syrischen Geheimdienst bei der Niederschlagung der Proteste unterstützt zu haben.

Im Folgenden die leicht korrigierte Transkription der „Geständnisse“ mit Dank an Josh Shahryar für die prompte englische Übersetzung auf unserem Partnerblog EA Worldview. 

0.49 – 1.04: Mein Name ist Sajjad (Heydar Ali) Amirian, und ich bin Mitglied der iranischen Revolutionsgarden. Ich bin Leiter eines fünfköpfigen Spezialteams. Ich betrat Syrien am 16. Oktober 2011. Die anderen trafen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Syrien ein.

1.04 – 1.13: (Wie heißt ihr?) Ahmad Sohrabi. Hassan Hassani. Majid Qanbari. Kyumars Qobadi.

1.13 – 1.26: Mein Team und ich sind in Syrien eingereist und unterstützen syrische Geheimdienstkräfte bei der Unterdrückung und Erschießung von Zivilisten.

1.26 – 1.39: Nachdem wir unsere täglichen Aufgaben beendet haben, möchten wir von unseren „Jobs“ dorthin zurückkehren, wo wir früher gewohnt haben.

1.39 – 1.54: Wir haben viele Zivilisten in der Stadt Homs getötet, darunter viele Frauen und Kinder. Wir haben unsere Befehle direkt vom Geheimdienst der Luftwaffe der Stadt Homs erhalten.

1.54 – 2.15 Wir bitten Herrn Khamenei, den Führer der Islamischen Republik Iran, die Rückkehr sämtlicher Streitkräfte der Islamischen Republik anzuordnen, die in Syrien die Unterdrückung des syrischen Volkes betreiben, so dass auch wir wieder zu unseren Häusern zurückkehren können.

Am Ende des Videos werden die Dienstausweise und Reisepässe der vermeintlichen Revolutionsgarden präsentiert. Bei den Dienstausweisen handelt es sich um Wehrpässe.

Logo der Freien Syrischen Armee

Die iranischen Söldner sind namentlich identisch mit fünf iranischen Ingenieuren, die bereits Ende Dezember in der Protesthochburg Homs entführt worden waren. Sie waren am Aufbau eines Elektrizitätswerks in der syrischen Stadt Jandar beteiligt. Solche Großprojekte werden in der Regel nur an die einflussreichen und linientreuen Revolutionsgarden vergeben, die aktiv an der Niederschlagung der Proteste in Syrien beteiligt sein sollen. 

Abgesehen von der politischen und finanziellen Unterstützung, beliefert die Islamische Republik das mörderische Assad-Regime laut UNO-Experten auch mit Waffen. Erst kürzlich hatte der türkische Zoll an der Grenze zu Syrien vier iranische Lastwagen mit Materialien zur Raketenherstellung beschlagnahmt.

Bei den fünf iranischen „Ingenieuren“ könnte es sich also auch um Agenten der Revolutionsgarden handeln, die unter dem Deckmantel der technischen Zusammenarbeit nach Syrien entsandt wurden. Obwohl sich ihre wahre Identität nicht einwandfrei bestätigen lässt, ist das Bekenntnis von Sajjad Amirian, dem Anführer des iranischen Spezialteams, zweifellos gestellt. Es erinnert fatal an die „Geständnisse“ iranischer Oppositioneller bei den Schauprozessen nach der gefälschten Präsidentenwahl von 2009. 

Gestern meldete der Regimesender Press TV etwa zeitgleich die Entführung von 11 iranischen „Pilgern“, die auf der Landstraße von Damaskus nach Aleppo aus einem Reisebus gekidnappt wurden. Inwieweit diese beiden Ereignisse zusammenhängen, ist noch unklar. 

Die Behauptung von Press TV, die Entführten seien auf Pilgerfahrt gewesen, während Syrien von blutigen Aufständen erschüttert wird, erscheint ebenfalls unglaubwürdig. Auch bei diesen handelt es sich wahrscheinlich um Entsandte des islamischen Regimes, entweder zu legalen oder illegalen Projekten. Ihre Abreise könnte durch die verschärften Kampfhandlungen der letzten Tage in der Hauptstadt Damaskus bedingt sein. 

Ungeachtet der Unterstützung des iranischen Regimes für den syrischen Diktator bleibt abschließend zu hoffen, dass den Entführten ein ähnliches Schicksal wie syrischen und iranischen Demonstranten erspart bleibt. 

Hat tip an Thomas Adolf für den Hinweis auf das korrekte Logo der Freien Syrischen Armee!