Wer ist der größte Feind der Islamischen Republik? USA? Israel? Der böse Westen? Von wegen! 

Wer dieser Tage die iranischen Online-Medien liest, stellt verwundert fest, dass Gallus gallus domesticus, besser bekannt als das gemeine Haushuhn, sich inzwischen zu einer ebenso großen Bedrohung des Gottesstaates gemausert hat. Wie ließe es sich anders erklären, wenn Irans Polizeichef vor der Darstellung einer Hühnermahlzeit im Staatsfernsehen warnt. Ahmadi Moghaddam wörtlich: „In den Filmen sieht man, wie Hühner gegessen werden, die sich manche eventuell nicht leisten können. Angesichts dieser Klassenunterschiede könnten die Betroffenen zum Messer greifen und sich ihr Recht mit Gewalt von den Reichen holen.“

Interessanterweise gesteht der oberste Sicherheitshüter nicht nur die Existenz von Armut, deren Beseitigung eine der wichtigsten Parolen der Islamischen Revolution war. Er bezeichnet dieses Grundnahrungsmittel außerdem als Leibspeise der Wohlhabenden. Tatsächlich sind die Geflügelpreise in Iran in den letzten Wochen rasant gestiegen. Wie Khabar Online berichtet, kostet ein Kilo Hühnerbrust inzwischen stolze 14.000 Toman, also rund 9 Euro. 

Entsprechend groß war der Run auf staatlich subventioniertes Geflügel. Das folgende Foto stammt nicht aus Burkina Faso, sondern zeigt die Warteschlangen vor einer Ausgabestelle in Teheran.

Der Spott der Iraner im In- und Ausland hat nicht lange auf sich warten lassen. In dieser schönen Animation von Green Art verkündet der Oberste Führer Khamenei: „Ich habe euch die Atombombe gebracht und das Huhn vom Teller genommen!“


Sogar Fars, Sprachrohr der allmächtigen Revolutionsgarden, muckt auf und verbannt das Huhn als bedrohte Tierart in den Zoo: „Mein Junge, damals, als wir reich waren, haben wir so etwas gegessen.“

Dieser Hahn wiederum feiert angesichts der hohen Preise vergnügt seine frisch gewonnene Unabhängigkeit …

In satirischer Anspielung auf die jüngste Währungskrise und den Vorverkauf der heiß begehrten Goldmünzen kündigt die Website Etedaal den Vorverkauf von Hühnern durch die iranische Zentralbank an.

Die rasante Teuerung von Geflügel lässt sich allerdings ebenso wenig durch westliche Sanktionen begründen. Allein die Öleinnahmen der Islamischen Republik beliefen sich 2011 auf rund 115 Milliarden Dollar. Das ergibt ein BIP von rund 1850 Dollar pro Einwohner. Bei seinem Amtsantritt 2005 hatte Ahmadinedjad der Unterschicht versprochen, dass sich „das Ölgeld auf ihren Esstischen zeigt“. Angesichts des Kursverfalls der iranischen Währung und der galoppierenden Inflation können die Iraner froh sein, wenn der Wahlfälscher von 2009 ihnen nach dem Hühnerfleisch nicht auch noch das Brot vom Teller nimmt.