Am 3. Oktober ist es zum ersten Mal seit drei Jahren zu größeren Demonstrationen in Teheran gekommen. Ausgangspunkt war der Basar, der aus Protest gegen den rasanten Wertverlust des Rial streikte. Das Regime reagierte umgehend und schickte seine Truppen, zunächst Polizisten, um den Basar abzuriegeln. Wie im folgenden Video sichtbar, mussten diese auch Fragen von Bürgern beantworten, die ratlos vor geschlossenen Läden standen:

Die Proteste erfolgten nur 24 Stunden nach Ahmadinedjads skandalträchtiger Fernsehansprache. Am 2. Oktober hatte er die Schuld für den 40prozentigen Kurssturz des Rial gegenüber dem Dollar seinen politischen Gegnern in die Schuhe geschoben. Innerhalb einer Woche war der Umtauschkurs des Dollars auf dem freien Markt von 27600:1 auf 35000:1 gestiegen.

Der Slogan im Basar der Goldhändler lautete deshalb: Kanonen, Tanks und Raketen / Der Dollar muss runter!

Am Eingang des Basars forderten die Demonstranten: Anständige Basaris, schließt die Läden, unterstützt uns!

Anschließend zogen die wütenden Basarhändler auf die Straße und forderten das Regime auf, die Unterstützung Assads zu beenden. Tags zuvor war bekannt geworden, dass die Islamische Republik 10 Millarden Dollar nach Syrien geschickt hatte. Erstmals seit den Protesten der Grünen Bewegung gegen die gefälschte Präsidentschaftswahl von 2009 kam auch wieder dieser Slogan auf: Tod dem Diktator!

Lasst ab von Syrien, denkt an uns! 

Inzwischen hatte das Regime am Hassanabad-Platz in der Nähe des Basars Antiaufruhr-Truppen mobilisiert. Im Folgenden auch die geschlossenen Geschäfte außerhalb des Basars und brennende Abfallcontainer mitten auf der Straße:

Basarstreik in Teheran: Anti-Aufruhrpolizei (EPA)

Die Demonstranten setzten ihren Zug dennoch fort, hier auf einer Straße in der Umgebung des Basars.

Weder Syrien noch Libanon, mein Leben opfere ich nur Iran!

Als die Sicherheitskräfte die Demonstranten mit Tränengas vertreiben wollten, setzten diese dagegen Abfalleimer in Brand.

Bei den Protesten sollen bis zu 150 Personen verhaftet worden sein, andere Berichte melden 16 Verhaftungen. Am folgenden Donnerstag (4. Oktober) hatte der Basar angeblich wieder geöffnet, tatsächlich wurden aber kaum Geschäfte getätigt. Angesichts der enormen Kursverluste des Rials wurden auch in den Wechselstuben keine Devisen gehandelt. Seit Dienstag haben Mesghal und andere zeitweise gesperrte Websites ihre Updates zu Devisenkursen ausgesetzt.

Basarstreik in Teheran

Der Teheraner Basar soll am Samstag unter Kontrolle der Sicherheitskräfte wiedereröffnen, wie vom Vorsitzenden der Basarhändler-Union offiziell verlautbart. „Wenn der Basar niest, bekommt die Regierung eine Erkältung“, besagt ein persisches Sprichwort. Derweil geben die Freitagsprediger des Regimes Durchhalteparolen an die iranische Bevölkerung aus.