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Günter Wallraff über iranische Repression: „Die meinen es todernst“

10. Juni 2012: Twittersturm zum 3. Jahrestag der Grünen Bewegung

Iranischer Funkbetreiber Irancell kauft US-Technologie

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Neues Frauenmagazin „Zan“ in den USA

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Khamenei konsolidiert seine Kontrolle über die drei Gewalten

Iran benötigt zwei weitere Millionen Tonnen Weizen

Kräftiger Anstieg der Brotpreise in mehreren iranischen Provinzen

Kurssturz an der Teheraner Börse, um 270 Punkte gefallen (FA)

Sinopec stoppt Einfuhr von iranischen Gas-Kondensaten im 3. Quartal

Top-Manager: Ölmarkt wird Irans Ausstieg verkraften

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Öffentliche Hinrichtung von fünf „Drogenhändlern“ in Schiras

Blogger Hossein Ronaghi Maleki im Hungerstreik für „verfassungsgerechten Umgang mit politischen Gefangenen“

Schweigen der Offiziellen über Haleh Sahabi am 1. Jahrestag ihres Todes

Bericht über Afghanen-Diskriminierung in Iran an UN-Menschenrechtsbeauftragten Ahmed Shaheed

Geheimdienst der Revolutionsgarden übernimmt Kontrolle der Kirchen in Iran (FA)

Evangelische Kirche im Westen Teherans geschlossen


Shahin Najafi lässt sich offensichtlich nicht beeindrucken von Todesdrohungen aus Iran und dem Kopfgeld von 100.000 US-Dollar, das die regimenahe Website Shia Online auf ihn ausgesetzt hat. Gestern veröffentlichte er einen neuen Song aus dem Unterschlupf beim Schriftsteller Günter Wallraff. „Istadeh mordan“ (Aufrecht sterben) ist der trotzige Widerspruch des Dichters gegen die Vertreter eines radikalen Islam, der gegen Andersdenkende Hass und Mord propagiert – hier der Text auf Englisch.

Bereits im ARD-Interview hatte der Kölner Rapper erklärt, er werde sich nicht den Mund verbieten lassen, sondern weiter die Missstände in Iran anprangern, gegen die die Grüne Bewegung nach der gefälschten Präsidentschaftswahl von 2009 protestiert hatte.

Inzwischen haben 40 sogenannte „Schriftsteller“ des Religionsverlags Rah-e Nikan die Tantiemen ihrer Bücher demjenigen versprochen, der die Todes-Fatwa gegen Najafi ausführt. Interessanterweise wird er im Statement als „kolonialistischer Agent“ bezeichnet, der die „Verschwörung“ Salman Rushdies in Iran fortsetzen soll. Wegen seines Romans „Die satanischen Verse“ hatte der verstorbene Revolutionsführer Khomeini 1989 eine Todes-Fatwa gegen den britischen Autor verhängt. Offenbar sollte mit diesem Mordaufruf auch der gerade zelebrierte 23. Todestag des Imam gewürdigt werden.

In jedem Fall gehen die Diskussionen über Najafis provokativen Song „Naghi“ weiter. Das Zentralorgan der weitgehend vergessenen marxistischen Tudeh-Partei echauffiert sich über die angebliche Ruhmsucht des Rappers, der mit seinen skandalträchtigen Songs prominente iranische Sängerinnen wie Googoosh zu übertrumpfen versuche. Außerdem wird ihm vorgeworfen, mit seinem Pessimismus die Möglichkeit von politischen Veränderungen in Iran zu leugnen, welche die Grüne Bewegung repräsentiert. Abgesehen von der absichtlichen Verwechslung von Ursache und Wirkung, scheinen sich die gestrigen Genossen bei der Jugend von heute einschmeicheln zu wollen.

Eine weitaus üblichere Variante des Rapper-Bashings stammt von Abdolkarim Soroush, einem Vordenker des Islamismus iranischer Prägung. Der mittlerweile exilierte und zum Reformer mutierte Philosoph attackiert Najafi wegen seiner Verhöhnung des Islam, kritisiert aber auch die Todes-Fatwa der Mullahs als andere Seite derselben Medaille. Unter Berufung auf Kant und Hegel (ausgerechnet!) verdammt er die Islamgegner, die im Namen der Meinungsfreiheit die Religion beleidigten anstatt sich dem Aufbau des Landes zu widmen. Auch Soroush geht es nicht um den Text oder künstlerische Freiheit, sondern um die Abrechnung mit politischen Gegnern, in diesem Fall iranischen Säkularen, die die Trennung von Staat und Religion fordern. Die Kommentare sind entsprechend sarkastisch: Soroush trauere offenbar postrevolutionären „goldenen Zeiten“ nach, als Intellektuelle von iranischen Universitäten vertrieben wurden, um Pseudo-Philosophen seines Schlags Platz zu machen.

Die anhaltende Diskussion bestätigt im Wesentlichen Günter Wallraffs kluge Bemerkung, Najafi gehöre „jetzt vorrangig zu denen, die vielleicht als Beschleunigerteilchen das Ende so eines grausamen menschenrechtsverletzenden Regimes betreiben.“


Über die Todes-Fatwa gegen Shahin Najafi wegen seines islam- und sozialkritischen Songs „Naghi“, der sich an den zehnten Imam der Schiiten richtet, hatten wir schon an dieser Stelle berichtet. Dank Didare Sabz kann man den umstrittenen Text jetzt auch in der kommentierten deutschen Übersetzung nachlesen.

Cover von Shahin Najafis neuem Album

Inzwischen haben Makarem Shirazi, Alavi Gorgani und Nouri Hamedani, drei einflussreiche Groß-Ayatollahs aus der Heiligen Stadt Qom, mehr oder minder explizit dazu Stellung genommen. Makarem Shirazi, allgemein bekannt für seine radikalen Ansichten, bezeichnet ebenso wie Nouri Hamedani den seit 2005 im Kölner Exil lebenden Rapper als „Apostaten“ und somit als vogelfrei. Prompt hat die iranische Webseite „Schia-Online“ ein Kopfgeld von 100.000 Dollar auf seine Ermordung ausgesetzt.

Der Abgeordnete Hossein Ebrahimi, stellvertretender Vorsitzender des Nationalrats für Sicherheit und Außenpolitik im islamischen Parlament, erklärt gegenüber der Journalistin Masih Alinejad sogar freimütig, die Ermordung Najafis sei rechtens und die Pflicht eines jeden Muslimen.

Obwohl Najafi in mehreren Interviews dem Vorwurf widersprochen hat, mit seinem Song die schiitischen Imame beleidigen zu wollen, kommt aus der Islamischen Republik kein Protest gegen diesen absurden Schuldspruch. Im Kulturmagazin „Shabahang“ beklagt der exilierte Karikaturist Nikahang Kowsar zu Recht, dass nicht einmal die gemäßigten oppositionellen Groß-Ayatollahs Dastgheyb und Bayat Zanjani öffentlich dagegen Stellung bezogen haben.

Tatsächlich mokiert Najafi sich vor allem über den Missbrauch der Religion für die politische Propaganda und attackiert darüber hinaus gesell­schaftliche Probleme wie Drogensucht, Schönheitswahn oder blinden Nationalismus. Die Fatwas sind also in erster Linie politisch bedingt, und dass sie kurz vor den neuen Verhandlungen im Atomstreit die Runde machen, auffällig. „Offenbar versuchen Kreise, die Angst davor haben, dass es hier zu einer Einigung mit dem Westen kommt, auf diese Weise einen Kulturkampf anzufachen“, sagt Iran-Experte Posch vom SWP.

Abgesehen davon soll mit dieser Todesdrohung die Opposition im In- und Ausland mundtot gemacht werden. Es verwundert deshalb sehr, dass bisher keine iranische Organisation, die sich im Exil für die Menschenrechte in Iran einsetzt, gegen diese sehr reale Drohung protestiert hat. Offiziell wurde das Todesurteil nur vom Schah-Sohn Reza Pahlavi verurteilt. Anscheinend hat man vergessen, dass der beliebte iranische Sänger Fereydoun Farrokhzad 1992 in Bonn vom Geheimdienst des Regimes brutal abgeschlachtet wurde.

Während der Grünen-Politiker Nouripour eine Stellungnahme der Bundesregierung fordert, steht der bedrohte Rapper inzwischen unter dem Schutz des Schriftstellers Günter Wallraff. Außerdem planen mehrere deutsche Journalisten, Künstler und Kulturschaffende Solidaritätsaktionen, um den 31-jährigen Musiker zu unterstützen.

Höchste Zeit also, dass sich auch die iranische Exilgemeinde und ihre deutschen Sympathisanten zu Wort melden. Vorschläge für Aktionen oder Solidaritätserklärungen sind äußerst willkommen. Wir dürfen Shahin Najafi nicht alleinlassen! 

Update: Aufruf von Aktivisten aus Dänemark zu Protestkundgebungen am Samstag, dem 26. Mai 2012

We invite you to organize protest rallies across the world; please send us your contact info in regards of the time and the location of your protest to the admin of „We defend Shahin Najafi & Freedom of expression“ Facebook page email address: s.shahinnajafi@gmail.com

Protestaktion vor der iranischen Botschaft in Kopenhagen


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